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1. Tag

Eigentlich wollen wir ja nach Finnland. Alle Karten sind beisammen, das Tripkit griffbereit und die clubeigene PA28 Archer III in den Startlöchern, sitzen wir am Flugplatz in Hamburg ... grottenschlechtes Wetter da oben im Skandinavischen, ein Tief holt das nächste ein.

Na schön, wir werden fliegen, auf jeden Fall! Der Weg führt zur Wetterberatung: „Wo scheint denn die Sonne?“ „Na ja, Ungarn sieht gut aus, 30 Grad und blauer Himmel, bleibt wohl auch so.“ Ok, da wollen wir hin, keine Karten, keine Ahnung, was tun? In der Nähe von Berlin gibt es einen Platz, Schönhagen, EDAZ. Der dort ansässige Versandhandel sagt zu, sämtliches Material bis morgen, Samstag, den 29.06.02, vorrätig zu haben. Also gut, Hauptsache, weg.

Der Flug verläuft unspektakulär, an einigen Schauern vorbei. Was uns erwartet, ist ein Flugplatz, der nicht nur zu Zeiten der Berliner ILA in die Schlagzeilen gerät, Lifts nach Schönefeld mit AN2 Doppeldeckern anbietet, sondern voller Freundlichkeit des Towermenschen unbedingt zum Verweilen einlädt. Der ehemalige Segelflugplatz verfügt über eine asphaltierte Bahn mit Tankeinrichtung und kann bestens zum Ausreisen aus unserem Ländle genutzt werden. Wir entscheiden uns, nichts zu überstürzen und verbringen die Nacht in dem direkt am Platz gelegenen Hotel, 30er Jahre Bauten mit topmoderner Inneneinrichtung und supernettem Personal, wer hätte das gedacht? Schade, dass wir die einzigen Gäste sind (DZ 60,-€ inkl. lecker Frühstück).

Am selben Abend befinden wir uns im Besitz der benötigten Karten, der Towerlotse ist mit dem Versandhandelschef befreundet und rief im Hotel an, um uns auszurichten, die Dokumente seien da. DAS ist Service erster Güte.

Süße Träume waren uns sicher.


2. Tag

Ein Blick in die Karten sagt uns, dass man eigentlich nicht durch die Tschechei fliegen kann. Ein Flugbeschränkungsgebiet neben dem anderen. Wir ziehen einfach einen Strich von VOR zu VOR und hoffen das beste. Das Wetter holen wir per gebührenfreiem PC-met in einem gesonderten briefing-Raum  ein; sieht nicht schlecht aus, und ab geht’s. Wenn wir wiederkommen und mehr Zeit haben, werden wir sicher das Angebot, Fahrräder zu mieten und die Gegend zu erkunden, nutzen. Nur 50 Minuten mit der Regionalbahn nach Berlin, auch nicht falsch.

Die Zollformalitäten (die keine waren) und die Flugplanaufgabe hat Schönhagen Info für uns erledigt. Zwei Stunden warten, kein Zöllner aufgetaucht, los gehts.

Und wahrlich, wir fliegen geradeaus, durch den deutschen, tschechischen und österreichischen Luftraum. Die Flughöhe von mindestens 5000 Fuß passt gut, die gefürchteten Flugbeschränkungsgebiete sind nicht aktiv oder können durchflogen werden, die Wolken verziehen sich und echte Urlaubsstimmung kommt auf. Eben diese sollte aber etwaige Nachflieger keinesfalls dazu treiben, NICHT auf die üppig vorhandenen Segelflieger in Tschechien zu achten.

So führt uns also unsere Strecke über Dresden, Brünn, an Wien vorbei zum Neusiedler See. Stets in Hand der Controller, die allesamt unseren Flugplan in Händen hatten. Wir fühlen uns fast „IFR“ und immer gut behütet.

Nach nur drei Stunden landen wir in Fertöszentmiklos, LHFM, unterhalb des Neusiedler Sees. Wir sind in Ungarn!

Der Platz ist, obwohl Zollflugplatz, sehr ruhig und in tadellosem Zustand. Betrieben wird er von einem Österreicher, dessen Freunde und Verwalter, ein liebes Ehepaar, uns herzlich aufnehmen. Familienanschluß ergibt sich ganz automatisch, hier kennt jeder jeden und die Pension in der Nähe, war für 10,-€ p.P. eine Klasse für sich. Der Abend findet seinen Abschluß bei einer Einladung zum Wein und netten Gesprächen mit der Vermieterin.


3. Tag

Geweckt von einem Espresso werden wir von den Verwaltern zum Platz gefahren. Dort gefrühstückt bekommen wir von Thomas, souverän und in gutem Englisch den Tower betreibend, den Tipp, einen Puszta-Abstecher zu machen. Er empfiehlt uns den Platz Jakabzalas, LHJK, der „erst“ seit drei Jahren existiert und in keinen Karten eingezeichnet ist, leider auch nicht im Bottlang. Das ist unbefriedigend. Aber wir haben unsere Infos.

Dennoch wollen wir erst in Budapest vorbeischauen.

Der ehemalige Zentralflughafen Budaörs, LHBS, bietet sich hierfür an. Als Thomas sagte:“old airfield, old planes, old stuff” konnten wir uns nicht viel darunter vorstellen…bis wir landen. Eine Graspiste mit Flugzeugwracks, AN2 Doppeldeckern, abgewrackten DC-3, russischen Lizenzbauten. Wahrlich ein Museum. Tanken möchten wir aus den uralten Lastern nun doch nicht, ist ja auch nicht nötig, das hatten wir in Fertöszentmiklos erledigt.

Das „Empfangsgebäude“, scheinbar nicht restauriert seit seiner Errichtung 1937. Hier springt einem die Geschichte ins Gesicht. Auch das Personal scheint seitdem die Stellung zu halten. Man sollte schon darauf achten, dass die Landegebühr und Übernachtung für Maschinen bis 2t 3957,- Forint beträgt. Es wurde doch versucht, uns mehr abzunehmen.

Mit dem Linienbus für 180,-Forint in die Budapester Altstadt gefahren, stellen wir schnell fest, guckdass ein Hotel nicht unter 100,-€ die Nacht zu haben ist. Da das dortige Ibis uns nicht mehr aufnehmen kann, weil belegt, entscheiden wir uns für das Nächstteurere. Nun ja, ohne Frühstück 140,-€ in einem kleinen Doppelzimmer; da reicht es nur noch für ein Frühstück an einer U-Bahn Haltestelle. Budapest kann man, muß man aber nicht haben. In den Straßencafés 3,- € für ein kleines Bier im Tausch gegen zauberhaften Ausblick auf die noch zauberhafteren Ungarinnen (gute Güte!) zu haben, ist dann doch etwas heftig. Natürlich ist auch die Altstadt an sich durchaus eine Reise wert.


4. Tag

Nun aber in die Puszta! Nicht länger als eine halbe Stunde dauert der Flug nach Jakabzalas. Ein wunderschöner Platz erwartet uns im Nichts der Puszta-Weiten, aber doch immerhin in 40 Minuten Autonähe zur nächstgrößeren Stadt Kecskemet. Und DIE ist eine Reise wert. Mit dem Mietwagen, vollklimatisiert (was für ein Glück bei 38 Grad) gelangen wir für 60,-Forint den Kilometer dorthin und werden von einer prächtig restaurierten Altstadt empfangen, Budapest in nichts nachstehend. Das nun wieder ist ein „must have“, genauso wie der Flugplatz, dessen englischer Rasen und ein Hotel, in dessen Hangar man direkt einrollen kann, geradezu zum Bleiben einladen (60,-€ DZ inkl. Frühstück). Der geneigte „Nachflieger“ sei gewarnt: So kuschelig es auch ist, in der untergehenden Abendsonne im Gras liegend den einheimischen Piloten bei ihren Flügen zuzusehen; die zeitgesteuerten Rasensprenger werden unnachgiebig eben noch unsichtbar aus der Grasnabe erscheinen. Der Flugplatzhund ergreift in diesem Moment das Weite; und während ich noch über den Sinn dieser lustigen schwarzen Geräte grübele, ergiessen sich im nächsten Moment Liter von Wasser über mich, Karten und Kamera.

Versöhnlich, dass die örtlichen Piloten uns diesen Abend zu selbstgekeltertem Wein und endlosen Fliegergesprächen einladen. Unser Plan, am nächsten Morgen zum Plattensee weiterzufliegen, hat sich damit freilich zerschlagen.


5. Tag

Wir besuchen mit unserem am Platz gemieteten Fahrzeug ein Luftwaffenmuseum in Kecel, das uns von Oliver, einem ehemaligen MIG-Piloten, abends zuvor empfohlen worden war. Durchaus beeindruckend und wie der Platz excellent gepflegt.dicht

Der nun folgende Abend stellt ein absolutes Highlight dar: Wir sind eingeladen, Oliver im Formationsflug mit Gabor, jeweils mit einer ZLIN 142, zu begleiten. Die Maschinen quasi ineinander verschachtelt, keine zwei Meter Abstand voneinander, ist das Erlebnis einfach genial und findet seinen Höhepunkt in einem phantastischen Kunstflugintermezzo (so perfekt geflogen, dass außer totaler Begeisterung nichts weiter zu spüren ist...von wegen, einem wird schlecht...). Unvergesslich und wahrlich nicht in Worte zu fassen.


6.Tag

Es ist Donnerstag, die Heimat ruft. Freitag müssen wir unseren Liebling wieder abliefern. Zu kurz, zu schnell vergangen, die Erlebnisse der letzten Tage.

Nicht zu ändern, allemal. Unser Flug führt uns zum Auszollen nach Sarmellek (LHSM) am Balaton. Die Schönheit des Plattensees können wir hierbei nicht so recht genießen, da ein Schauer den Nächsten jagt. Eben noch 38 Grad und nun eher kühl und verregnet. Anyway, fällt uns der Abschied eben nicht ganz so schwer.

Am Flugplatz, der tatsächlich schon „echte“ airlines begrüßen durfte, ist es eher ruhig. Man hat großes vor, die Hochglanzwerbeprospekte verraten es. Auch hier werden wir freundlich empfangen, tanken, holen per internet (kostenfrei) das Wetter ein, und entscheiden uns, den Flug in die Heimat anzutreten. Lustig scheint das Ganze dennoch nicht zu werden.

Aber der Wettergott hat ein Einsehen und der Flug verläuft etwas „geschüttelt“ reibungslos. Gegenwind von 35-45 Knoten allerdings macht zu schaffen, es hilft nur wenig, die Flughöhen zu ändern (sämtliche Controller sind auch diesmal wieder sehr flexibel). Schnell erkennen wir, dass wir Schönhagen (s.o.) noch erreichen werden; nicht so einige Mitflieger. Unser tiefstes Mitleid hat eine sächsische Besatzung, die, als wäre sie nicht schon durch den angeborenen (?) Dialekt gestraft genug (Sachsen, verzeiht den Nordlichtern, das war frech) gerade noch einen Flugplatz findet, den sie zwar im Rahmen der Öffnungszeiten erreichen kann, zu dem sie aber niemals wollte. War schon garstig, dieser Wind.

Gelandet in Schönhagen, von allen wiedererkannt und dennoch nicht des Platzes verwiesen, verbringen wir unsere letzte Nacht und erledigen den folgenden Vormittag in einem geradezu lächerlich anmutenden Hüpfer „nach Hause“. Hamburg airport hat uns wieder.

 

Wer weiß, was Finnland geboten hätte. Finden wir vielleicht nächstes Jahr heraus, DIESER Trip war ein einmaliges und vollkommen perfektes Erlebnis. Es hat alles, aber auch wirklich alles geklappt. Das Resumee ist schnell gezogen:

    -Vertraue der Freundlichkeit und Umsicht deutscher, tschechischer, österreichischer und ungarischer Controller, keine Scheu, so ein Auslandsflug ist besser betreut als manch inländische Hüpfer!

    -Trage genug Bares bei dir, wenn du Budapest kennen lernen willst

    -Nimm dir Zeit und genieße die beispiellose ungarische Gastfreundschaft

    -jeder hier beschriebene Platz ist einen Besuch wert, vor allem Fertöszentmiklos und ganz besonders Jakabzalas

phantastisch, phantastisch, phantastisch!!!

  ... ich mag Altstädte ...

  DAS ist dicht!

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